Bio

«Ich glaube an die Kraft der Aufmerksamkeit. Theater, Film und Literatur beginnen für mich dort, wo wir bereit sind, uns auf einen anderen Menschen, eine andere Geschichte oder eine fremde Erfahrung einzulassen.»

Roman Weishaupt wuchs im rätoromanischen Val Lumnezia in Graubünden auf, in einer von Gemeinschaft und Gemeinsinn geprägten Bergregion. Er gehört zu jenen, die fortgegangen sind, wie viele vor und nach ihm. Die Weite der Welt inspiriert ihn ebenso wie die Möglichkeit, immer wieder zurückzukehren. Sursilvan ist seine Muttersprache. Mehrsprachigkeit ist für ihn nicht nur ein Mittel der Verständigung, sondern eine Art, die Welt zu betrachten.

Theater, Musik, Oper und Literatur zogen ihn schon früh an, und seine Leidenschaft fürs Lesen führte ihn zum eigenen Schreiben. Während seiner Ausbildung zum Primarlehrer nahm er an den Dis da Litteratura und an Schreibwettbewerben teil, übersetzte Calderón ins Sursilvan und realisierte mit Freunden seine erste Theaterproduktion. Nach zwei Jahren als Lehrer studierte er an der damaligen Hochschule Musik und Theater Zürich mit den Schwerpunkten Regie, Theaterpädagogik und Schauspiel. 2006 schloss er sein Studium ab. Im selben Jahr ging er zu Fuss 2400 Kilometer von seinem Heimatdorf nach Santiago de Compostela. Bruno Moll hielt die Reise im Kinodokumentarfilm «Zu Fuss nach Santiago de Compostela» fest, der 2007 am Filmfestival Locarno Premiere feierte. Das Unterwegssein, die Herkunft und die Frage, was ein Mensch mit sich trägt, sind seither wiederkehrende Motive seiner Arbeit.

Weishaupt begann früh zu inszenieren und langfristige Theaterstrukturen aufzubauen. 2007 gründete er am Theater Chur die Sparte Junges Theater und entwickelte neue Vermittlungsangebote für junge Menschen und Schulen. 2011 gründete er gemeinsam mit Chris Hunter und Corsin Zarn das Junge Theater Graubünden. Jugendliche aus allen Teilen und Sprachregionen des Kantons entwickelten dort mit professioneller Begleitung eigene Theaterarbeiten. Weishaupt leitete die Institution bis 2020; 2016 erhielt sie den Schweizer Theaterpreis. Heute ist sie eigenständig und dauerhaft in der Bündner Kulturlandschaft verankert.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im rätoromanischen Theater und in der Verbindung professioneller Theaterschaffender mit nicht-professionellen Mitwirkenden aus der Region. Er arbeitete mit kleinen Ensembles, grossen Chören und Hunderten von Beteiligten. Seine Regiearbeiten reichen von Goethe und Haydn bis zu zeitgenössischen Texten von Arno Camenisch. Mit BAGAT – producziun da teater gründete er ein mobiles professionelles Theater für junges Publikum und Familien.

Weishaupt schreibt Theaterstücke, Geschichten, Liedtexte und Libretti auf Sursilvan und Deutsch, zunehmend auch auf Englisch, und übersetzt für die Bühne. Seine Texte reichen von intimen Erzählungen bis zu grossen theatralen Formen. Dazu gehören das Libretto des Weihnachtsoratoriums «Nadal – in oratori», die gemeinsam mit Remo Arpagaus verfasste historische Kriminalkomödie «Comander» und «Peiden», das er mit Bruno Cathomas schrieb und am Theater Chur produzierte. Aktuell entwickelt er einen persönlichen mehrsprachigen Soloabend.

Weishaupt inszeniert gerne an Orten, die nicht als Bühnen gedacht sind – in Lagerhallen, Bars, Wäldern oder fahrenden Zügen. Für die Rhätische Bahn schuf er die «Geführte Zeitreise ins UNESCO-Welterbe RhB», eine fünfstündige Theaterreise von Chur nach St. Moritz, bei der Zug, Tunnel, Viadukte und Landschaft Teil der Dramaturgie wurden. Für die Anna Catrina AG entwickelte er «Il marcau raquenta / Die Stadt erzählt», eine szenisch-historische Führung durch Ilanz. Beide Formate liefen mehrere Jahre und machten Geschichte durch unmittelbare Begegnungen erfahrbar.

2019 wurde Roman Weishaupt als erster Bündner Theaterschaffender zum Direktor des Theater Chur gewählt. Von 2020 bis 2024 führte er das Haus als geschäftsführender Direktor und künstlerischer Leiter. Während der Pandemie modernisierte er organisatorische und digitale Strukturen, stärkte Eigen- und Koproduktionen sowie die Vermittlungsarbeit und öffnete das Theater weiter zur Stadt und zum Quartier. Er initiierte das Theatermagazin PROSPECT und realisierte zwei Ausgaben des internationalen Festivals «DigiDays – Theater und Digitalität». In der Spielzeit 2022/23 wurde das Theater Chur in der Kritiker:innen-Umfrage des Fachmagazins Theater heute als einziges Gastspielhaus im deutschsprachigen Raum in der Kategorie «Gesamtleistung eines Theaters der Saison» nominiert.

Ein Executive Master in Arts Administration an der Universität Zürich ergänzte seine künstlerische Praxis um strategische und betriebswirtschaftliche Perspektiven. In seiner Masterarbeit «Nudging im Theater» untersuchte er neue Wege der Publikumsentwicklung. Künstlerische Ideen brauchen für ihn Fantasie, tragfähige Strukturen und die Fähigkeit, Menschen miteinander zu verbinden.

Als Schauspieler erarbeitet sich Weishaupt seine Figuren aus den konkreten Umständen heraus – durch genaue Beobachtung und die Auseinandersetzung mit ihren oft widersprüchlichen Beweggründen. Für Kino und Fernsehen arbeitete er unter anderem mit Carlo Beer, Giorgio Diritti und Lauren Wolkstein. Auf Sursilvan, Schweizerdeutsch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch bewegt er sich zwischen unterschiedlichen filmischen und kulturellen Kontexten.

In WORDS&BLOOMS führt Roman Weishaupt seine Erfahrungen aus Theater, Sprache, Vermittlung und Organisation zusammen. Er begleitet private Auftraggeber:innen bei der Entwicklung von Texten, Reden und persönlichen Auftritten sowie bei der Gestaltung ausgewählter Anlässe.

Seine Verwurzelung in den Bergen verbindet er mit einer internationalen Perspektive. In Film, Theater und interdisziplinären Formaten bringt seine Arbeit Spiel und Präsenz, präzise Sprache und komplexe menschliche Geschichten zusammen.

«Ich suche nach Räumen, in denen Menschen einander aufmerksam begegnen können – über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg.»